We Are Chasing Poisoned Suns

Kein Blog von mir ohne eine Ankündigung eines neuen Musikprojekts, das ich in Angriff nehme (und das dann nach der Hälfte der Recordings und Stunden an Songwriting doch liegen bleibt, weil … ich ein neues Projekt anfange … gut, dass ich wenigstens beim Schrieben mittlerweile Dinge zu Ende bringe). Begleitend zu Solheim habe ich nicht nur eine mittlerweile ziemlich ausufernde Spotify-Playlist angelegt, die ich während des Schreibens höre, sondern auch Musik geschrieben. Also hau ich hier mal völlig sinnlos die geplante Tracklist zum „Into the Gales“ genannten Projekt raus, damit ich später noch weiß, welche Titel demnächst zum Teil eventuell irgendwo vielleicht einzeln im Netz rumfliegen werden.

01 excavations
02 corona
03 a suicide machine
04 gaia’s wake
05 anthem for #I-1
06 a breath away from phobia
07 ninive
08 cease
09 solvejg
10 the lost reels of manakis
11 jylland
12 ether
13 solheim
14 one with the sea

Und jetzt weiterschreiben. Disziplin, Alter!

 

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Kartografie

Ich habe vor so ungefähr sechs Jahren angefangen, eine Art autobiografischen Atlas zu schreiben. Würde ich zumindest so nennen, wenn ich eine Produktbeschreibung dafür bräuchte. Ich spiele mit dem Gedanken, das Projekt mal weiterzuführen. Gerade steht bei mir alles (außer der Job) hinter der Arbeit an Solheim 02 zurück. Es wird aber Zeit, dass ich damit fertig werde, denn ich brauche zumindest vorübergehend andere Projekte. Ich habe „AutoExil“, das seit Jahren auf sein Ende wartet. „TorsoTopografie“, das ein unüberschaubrer Wust an Ideen ist, von dem aber immerhin schon ein paar Absätze existieren, und das ich momentan vor mir selbst unter Verschluss halte um dafür nicht alles andere stehen und liegen zu lassen.

Ich habe Musik zu beenden. VIEL Musik, die ich beenden muss. Und dann noch einige andere Projekte, die ich immer schonmal starten wollte. Über das Kartografie-Projekt bin ich erst heute Morgen wieder gestolpert. Und weil ich die Zeit jetzt lieber nutze um an Solheim weiterzuschreiben, hier mal ein ungefilterter Auszug aus dem mehr als ein halbes Jahrzehnt alten Fragment:

51°02’20″N – 7°53’31″O – Blickrichtung: Süd
Heimat sind Bilder, die man sich einrahmt. Losgelöste Bilder, die ihre Anknüpfpunkte tief im Innern der Vergangenheit haben. Ich stand auf dem Rand des hölzernen Sandkastens und sah den Hang hinab in das Tal. Meine Haare waren hellblond damals, unbefleckt von der Zeit. Wenn ich einmal alt sein werde und weißhaarig, ich stelle mich wieder so in den Wind und lasse mich durch das Sonnenlicht blenden, das in meinen eigenen Strähnen reflektiert. Der graue Pullover, selbstgestrickt (von meiner Mutter, nicht von mir…) mit dem gelben Drachen darauf, flatterte leicht im Wind.
Es gab nur einen wirklichen Weg in diesem Ort. „Brötchen-hol-weg“ hieß er. Alle anderen Wege waren Straßen. Schmal und schlecht asphaltiert zwar, aber Straßen. Folgte man dem Weg, kam man zur einzigen Sensation des Dorfes: Einem Möbelhaus auf der anderen Seite des Tals, am Hang der Hügelkette, in deren Wäldern wir Wichtelhütten aufgestellt hatten und Kartoffeln im offenen Feuer rösteten.
Das Möbelhaus war eigentlich ein großes, quadratisches Schaufenster. Wenn wir entlang der Wichtelhütten spazierengegangen waren, kamen wir oft im aufziehenden Regenschauer an diesem Haus vorbei und stellten uns dort unter dem schmalen Vordach unter. Der Blick durch die Scheiben und die Faszination: Da sind ganz viele Zimmer in einem!
Wenn ich heute bei IKEA Kinder durch die einzelnen Schauzimmer laufen sehe, gehe ihnen hinterher durch die einzelnen Einrichtungslandschaften und wünsche mir, nur halb so groß zu sein, damit alles zwischen Billy-Regal und Röstö-Ofen noch gewaltiger aussieht.

 

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Also sprach Saruman. Ein Blogbeitrag für Alle und Keinen.

Es gibt ja eine ganze Menge, die man von Tolkiens Der Herr der Ringe lernen kann. Vor allem, wie die Welt nicht funktioniert. Das hat Tolkien sehr schön beschrieben und Peter Jackson bei seiner Verfilmung leider überhaupt nicht verstanden, was der Hauptgrund ist, warum ich die Verfilmung so unfassbar Scheiße finde. Aber an der Stelle wollte ich gar nicht beginnen, sondern … Moment … genau, hier: Ich habe zum ersten Mal durch Saruman erfahren, was es mit dem Begriff Opportunismus auf sich hat. Ich habe gelernt: Opportunismus ist böse. Für alle, die nicht so in der Tolkien-Materie drin sind: Saruman war mal genauso gut wie Gandalf – wenn nicht noch toller! – hat sich aber von Sauron (das ist der Putin von Mittelerde … wobei mein Hinweis oben verrät, dass dieser Einwurf nicht ernst gemeint ist … ich sag das nur zur Sicherheit) korrumpieren lassen und seine Macht für das Böse eingesetzt, weil … ja, weil es nunmal gerade stärker war als die Bande, für die er vorher eingetreten ist. Und das Schema ist nicht besonders einzigartig (womit ich Mittelerde jetzt auch erstmal verlassen will). Jemand hat Macht. Dieser Jemand findet es bequemer sich den Weg des geringsten Widerstands zu suchen  und geht den einfachen Weg ohne Rücksicht auf seine Überzeugung oder Ideale. „Fähnchen im Wind“ sagt man, was wiederum postuliert, dass der Opportunist eigentlich gar keinen übergeordnet ideologischen Antrieb hat. Ich – beim ersten Durchlauf vom Herrn der Ringe noch weit weg von alt genug, um das richtig zu durchdenken – habe also verstanden: Opportunist = keine Ideale = mächtig böser Typ! Nur um dann ein paar Jahre später vor dem Schreckgespenst des Opportunismus fliehend fundamental gegen alles zu sein, was nach Kapitalismus, Globalisierung, Konzern etc. riecht. Bloß immer zu den eigenen Idealen stehen (was in dem Alter mit 15 oder 16 auch relativ unreflektiert passiert), ohne Kompromisse. Lieber Gandalf als Saruman. Lieber tot als Ork. Klingt ja auch irgendwie logisch.

Um hier nicht meine Lebensgeschichte zu erzählen: Ich habe meine Haltung irgendwann mal überdacht. Ich will immer noch nicht Saruman sein, aber auch nicht Gandalf. Warum? Weil die Welt nicht davon besser wird, dass man dafür sorgt dass ein Ring in einen Vulkan geworfen wird. Das mag zwar als Teil einer Pro7-Sendung noch ganz zeitvertreibig daherkommen, aber es löst keine Probleme. Gandalf ist der unangepasste Typ, der lieber auf Adlern reitet als den CO2-Ausstoß von KFZ zu verantworten. Das mag zwar irgendwie beeindruckend sein, aber funktioniert auch nur, weil er einerseits so’n Magiezeuch kann, und andererseits bei der Wahl seiner Seite und Mittel nur zwischen Gut und Böse unterscheiden muss. Da fällt die Wahl irgendwie einfach, wenn man den Anspruch hat, sein Karma aufzupolieren. Aber nimmt man dem alten Mann den Stab, die Magie und die überdimensionierten Greifvögel weg, muss er zu profaneren Mitteln greifen, um zu verhindern, dass Saurons Auge unser aller Handys abhört. Und das geht nur, wenn er Teil des Systems wird, das er bekämpfen will.

Wie kriege ich jetzt den Bogen zurück zu Nietzsche? Achso, ich habe übrigens jeden Anspruch aufgegeben, dass mein Beitrag am Ende jemanden zurücklässt, der weiß, worauf ich eigentlich hinaus will. Durch Individualität und Subjektivität wird meine eigentliche Aussage ohnehin verfälscht. Und – BAAAAM! – bin ich wieder bei Zarathustra.

Wenn man mal den letzten Mini-Absatz ignoriert, läuft jetzt doch alles auf eine Feststellung hinaus, die gar nicht so super klingt: Opportunismus ist zwar böse, aber ohne geht es nicht. Deshalb kann man den Satz so auch nicht stehen lassen. Um es aber noch schlimmer zu machen: Wir alle sind Opportunisten. Wir denken und wollen vielleicht das Richtige, kaufen fair gehandelten Kaffee im Eine-Welt-Laden, meiden Strom aus Kohle, liken Online-Petitionen und kaufen nicht bei Amazon, weil die Dumpinglöhne zahlen. Und dennoch leben wir alle in einem Land, auf einem Kontinent, in einer Kultur, die nur deshalb einen solchen Standard hat, den wir alle heute nutzen, weil er sich auf jahrhundertelange Ausbeutung von anderen stützt. Fleisch, Kleidung (fast egal, wo sie gekauft wird), Computer und sonstige Elektronikgeräte und … naja, spätestens mit den Elektronikgeräten habe ich jetzt jeden, der hier liest – sind nur deshalb für uns erschwinglich, weil andernorts für lächerliche Löhne unter für uns nicht vertretbaren Bedingungen dafür gearbeitet wird. Um mal richtig polemisch zu werden: Das Internet – wichtigstes Medium, um gegen diese Missstände zu kämpfen – existiert für viele nur, weil es diese Misstände gibt. Wer also im Internet aktiv ist, der ist insofern Opportunist, weil er das System nutzt um gegen das System vorzugehen.

Die Frage ist: Ist das richtig oder falsch?

Darauf kann es natürlich keine Antwort geben. Oder besser: es gibt darauf unendlich viele gültige Antworten. zumindest so viele, wie es Wertesysteme gibt. Ich persönlich schließe Religion für mich als Wertesystem aus. Ich halte es nicht für falsch, an etwas zu glauben, ich lehne nur die Institutionalisierung ab. Daraus ergibt sich aber das Problem, dass damit prinzipiell jedes Wertesystem fehlt. Es entsteht also eine Art allgemein gültiges Vakuum. Nihilismus vielleicht. Ich vermeide jetzt jeden „Gott ist tot“-Bezug, aber irgendwoher müssen die Maßstäbe kommen, die man für das eigene Handeln ansetzt. Und da in einer derart globalisiert und gleichzeitig ideologisch fragmentierten Welt kein gemeinsamer Nenner zu finden ist und nie zu finden sein wird (was im Übrigen eine Utopie ist, die ich unfassbar abstoßend finde), weil es das Individuum gibt und das Individuum wiederum ein Kulturgut ist, das sich zumindest in unserem Kulturkreis entscheidend manifestiert hat, kann ein Wertesystem nur für den Einzelnen gelten.

So. Hier ist also unser Bausatz: Ich bin Mensch. Ich bin Opportunist. Ich muss mir mein eigenes Wertesystem bauen, das nur für mich gilt und ggf. für diejenigen, die meinem Wertesystem folgen, weil sie kein eigenes schaffen wollen oder nicht dazu in der Lage sind. Wenn ich also trotz allem den Anspruch habe, gut zu sein und das Richtige zu tun (wobei das erstmal nur meine Definition ist [auch die „allgemeinen Menschenrechte“ sind nicht so allgemein, wie sie es gerne wären], dann muss ich für mich entscheiden, wie weit ich Opportunist bin, das System nutze um etwas zu verändern, oder die Teilnahme ablehne. (Auch wenn sich hier die Frage stellt, ob es nicht die größte Verfehlung ist, aus eigener Ideologie einfach nichts zu tun … den Wille, die Dinge zum Besseren zu verändern, würde ich nicht so weit weg vom „Wille zur Macht“ verorten.)

Wirre Theorie? Natürlich, viel mehr werde ich hier auch nicht bieten. Aber um mal konkret zu werden: Warum erachten wir Dinge als gut oder schlecht, moralisch/ethisch richtig oder falsch, selbst wenn wir uns von Religion und ggf. Erziehung verabschieden? Weil wir eine Hemmschwelle haben und gewisse Dinge nicht verantworten können, wenn sie Menschen (oder Tiere/andere Lebewesen) betreffen, die in irgendeiner Verbindung zu uns stehen. Man kann nie gut zu allen sein. Also fokussiert man auf die, die einem greifbar erscheinen. Und das sind Mechanismen, die uns unsere Kultur gelehrt hat. Einige davon akzeptieren wir ein Leben lang, andere sind es wert, geändert zu werden. Und welche das sind, das ist subjektives Ermessen. Egal ob ich den eigenen Willen zur Änderung zeige oder mich jemandem anschließe. (Ich bin erstaunt, dass ich bisher den „Übermensch“ vermieden habe.)

Was folgt daraus? Lieber eine Entscheidung bewusst treffen als viele Entscheidungen als falsch anzuprangern. Motive verstehen anstatt zu Tabuisieren. Hinterfragen anstatt Ideologie zu predigen. Wäre so mein Ansatz. Aber das ist ja alles subjektiv. Dem Individuum sei Dank.

 

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[ Blank Page ]

Ich kann die Beiträge kaum noch zählen, die mit dieser Überschrift als „Entwurf“, „unveröffentlicht“ oder „in Bearbeitung“ (je nach Blog-Plattform) unvollendet, verworfen oder vergessen in der Datenbank liegen. Und lagen. Ich habe – wenn ich richtig zähle – um die sieben oder acht Blogs geführt (nicht alle zeitgleich natürlich), und bei den meisten davon gab es mindestens einen „Blank Page“-Beitrag, der nicht das Licht der Öffentlichkeit gesehen hat (Hacker und Geheimdienste zählen nicht).

Warum ist das so? Was ist so schwierig an dieser Überschrift?

„Blank Page“ ist mein Codewort für etwas, über das ich oft schreibe, das aber fast immer unveröffentlicht bleibt. Dabei ist es wohl meine größte Triebfeder in allem, was ich tue. Musik, Schreiben, Arbeit, Moral, Strategie, Kontakt zu anderen Menschen. Dahinter steht eine Diagnose, die ich nicht teile. Die tiefer geht als die latente bipolare Vorbelastung, die der Herzschlag meiner Kreativität ist. Tiefer als die physischen Schranken meiner Jugend und die wenig außergewöhnliche exzessive Teenage-Angst-Phase, die in den 90ern aber auch ziemlich en vogue war.

Es ist gefährlich über diese Dinge zu schreiben, wenn man nicht anonym unterwegs ist. Dabei ist es ebenso sehr ein Spiel mit dem Feuer, eine Online-Präsenz zu analysieren. Ich bin nicht mein virtuelles Ich. Das ist eigentlich niemand. Glaub ich. Aber ich springe im Thema …

Der letzte Versuch mich der „blank page“ zu nähern, war ein langer Blogbeitrag, der so tief ins Detail ging, dass man es als therapeutisches Schreiben betrachten kann. Er existierte zu keiner Zeit in irgendeiner Online-Maske sondern nur im lokalen Texteditor. Ich hätte allein daran sehen müssen, dass eine Veröffentlichung nie infrage gekommen wäre. Habe ich aber nicht. Ich habe es verdrängt. Vielleicht weil mein Unterbewusstsein darauf hofft, dass es irgendwann an die Oberfläche kommt. Das Thema.

Das Problem ist nur: Die einzige Grundlage, warum ich ein eher durchschnittlicher, normaler Mensch bin, ist, dass ich genau diese Dinge nirgendwo öffentlich mache. Würde ich es offen schreiben, es wäre meine Ausrede für … ungefähr alles. Also halte ich es zurück und führe ein weitgehend vernünftiges Leben.

Es fällt so viel schwerer Pandoras Schatulle nicht zu öffnen, wenn man weiß, was drin steckt. Oder andersherum: Wenn man weiß, dass die Katze noch lebt, würde man die Kiste dann geschlossen lassen?

Eben.

„blank page was all the rage | never meant to say anything“ – billy corgan

 

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Ich bin die Partei, M*th*rf*ck*r!

2004 als ich mein erstes Blog startete, da war das Internet noch irgendwie weniger im Visier der … der Dings. (Ich lass das mal absichtlich offen.) Jedenfalls habe ich da deutlich weniger drüber nachgedacht, was ich wie schreibe, welche Wörter ich benutze oder nicht. Im Nachhinein betrachtet ist das zwar nicht immer korrekt gewesen, aber dafür direkt. Live und direkt!, wie Ferris gesagt hat. Aber Ferris spielt heute im Tatort mit (wenn auch immerhin noch den bad guy) und ich setze * anstatt Vokalen. Warum? Natürlich nicht um Wörter zu zensieren, denn unser Hirn kann * interpolieren, wenn es will (oder betrunken genug ist). Natürlich ist das eine Antidiskriminierungsmaßnahme gegenüber Sprachen ohne Vokale. Vielleicht schreibe ich demnächst in Piktogrammen?

Aber darum geht es doch eigentlich gar nicht.

Eigentlich wollte ich was Ernsthaftes zum Thema Parteiensystem in Deutschland schreiben. Warum das doof ist und so. Aber jetzt bin ich ziemlich weit abgedriftet. Trotzdem: Die Partei ist in Deutschland die Entschuldigung für Wähler, nicht mehr denken oder gleich nicht mehr wählen gehen zu müssen. Die Partei ist in Deutschland die Entschuldigung für Politiker, nicht mehr denken oder Verantwortung übernehmen zu müssen. Die Partei denkt für mich. Das ist eigentlich eine total knorke Einrichtung. Wenn es nicht das Problem gäbe, dass das Konzept der Parteien am Ende vollkommene politische Willkür ermöglicht.

Eine Partei wird nie gewählt, weil die Wähler alles töfte finden, was die Genossen/Kollegen/Ordensbrüder so propagieren, sondern weil sie ein paar grundsätzliche Thesen ganz schlüssig finden. Da aber jeder Wähler durch andere Aspekte zum Wähler einer Partei wird und somit eine Menge von Wählern auch nur begrenzte Schnittmengen in den Aspekten mit und ohne Zustimmung bilden, sagt eine Wahl einer Partei eigentlich gar nichts darüber aus, was das Volk will. CDU/Merkel? Hat uns ja irgendwie gefühlt Stabilität während der Krise gebracht. Na dann wählen wir die doch mal! Dass wir dann einer Partei die Mehrheit geben, die gegen die volle Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe ist, finden wir als Mehrheit zwar doof, ist dann aber irgendwie parteipolitischer Kollateralschaden. (CDU mal als plakatives Beispiel, geht mit ungefähr allen anderen [nicht extremistischen] Parteien genauso.)

Die Partei weiß das. Und nutzt es. Wurde etwas während der Wahl versprochen? Irgendwie egal. Will das Volk in der Mehrheit dies und das? Nö, mit uns nicht, und sie haben uns ja gewählt. Also wählen sie auch unsere Standpunkte, die nur die Minderheit bedient. So lässt sich alles schön hindrehen. Wie wäre es mit einem Bundestag ohne Parteienbindung? Einzelmitglieder, die an ihren Einzelentscheidungen gemessen werden. Wie wäre es mit einem Verbot von Koalitionen? Weg mit den Allianzen zur meinungstechnischen Starre. Wie wäre es mit direkter Demokratie? Aber bitteschön unter Berücksichtigung eines Minderheitenschutzes. Ob die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt werden soll geht nur die gleichgeschlechtlichen Paare an. Jeder, der hetero ist, sollte dazu schön die Klappe halten. Warum? Weil niemand von der Hetero-Mehrheit in irgendeiner Form davon beeinträchtigt ist, ob homosexuelle Paare heiraten (inkl. Ehegattensplitting) oder nicht. Es wählen die, die betroffen sind. Im Falle des Freihandelsabkommens also wir alle. Und nicht nur ein paar Politiker, die Angst haben, dass ihnen die Demokratie bei dem Buckeln vor den Konzernen in die Suppe spuckt.

Ich habe schon seit geraumer Zeit den roten Faden verloren. Aber um es runterzubrechen: Meinung darf nicht institutionalisiert werden! Dann hätten wir auch kein so großes Problem mit dem Populismus von AfD. Die leben doch auch vor allem von der Diskussion um politische Ausrichtung. Wer die AfD als rechts oder Nazis bezeichnet, der stimmt zwar inhaltlich mit meiner Meinung überein, hilft aber am Ende nur der AfD. Das Argument „man wird doch noch mal sagen dürfen…“ wäre überhaupt keins, wenn die deutsche Moral nicht genau darauf anspringen würde. Was auch an der Übertabuisierung liegt. Lasst Akif Pirincci doch seine Meinung. Kann sich doch jeder selbst ein Urteil drüber bilden. Und die meisten werden schnell zu dem Urteil kommen, dass seine Meinung scheiße ist. Eine Diskussion über den „Rechtsruck bei deutschen Intellektuellen“ hilft doch nur, die Auflagen ihrer Bücher hoch zu treiben. Und den Bierverkauf bei Stammtischen.

Mehr Rundumschlag kriege ich heute nicht mehr auf die Reihe. Ich ziehe ein Fazit: Parteien, Lagerbildung, Tabuisierung und Buzzword-Diskussionen (Hallo Internet!) sind Institutionalisierung von Meinung. Und Institutionalisierung von Meinung fördert das Mitläufertum. Und Mitläufer machen zwei Dinge nicht: Selbst denken und selbst Verantwortung für ihre Meinung übernehmen. Beides ist Grund für das, was wir momentan haben.

Wie viele Wochen sind es noch bis zur Europawahl…..?

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Standortbestimmung

Während ich mein neues Blog aufsetze (das hier) werfe ich einen Blick auf meine alten Blogs. Es scheint mir so, als hätte ich damals jeden Tag zu mindestens drölf Themen etwas interessantes relevantes akzeptables zu sagen gehabt. Zumindest ist mir immer etwas eingefallen, über das ich schreiben konnte. Heute nicht mehr. Warum ist das so? Habe ich nichts mehr zu sagen? Habe ich die Hoffnung aufgegeben mir in der Welt Gehör zu verschaffen? Damals blieben auch viele Beiträge unbeachtet, hat mich aber nicht gestört. Ist es Facebook, das uns kaputt macht? Was nicht in vier Zeilen bei Facebook auftaucht und mindestens zwei bis zwölf Daumen nach oben bekommt ist ein Waise unter den Postings im Internet.

Also eröffne ich jetzt hier mein Waisenhaus für interessante relevante existente Gedanken. Im Internet zählt doch ohnehin nur die Frequenz, oder?

Achso … ich werde übrigens meine alte Blogunterschrift wieder nutzen. Also:

 

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