„but sometimes it’s just roses dying too young“

[fiktiv.therapie]

Wenn der Sommer endet, bevor er begonnen hat– Über die Existenz von mehr als einer Realität bescheid zu wissen ist das unerträgliche Schicksal, wenn die Welt zwischen den zwei Polen verläuft. Letzte Nacht lief ich durch ein Feld aus Blüten und Sträuchern, über warmen, benzingetränkten Asphalt im Bodennebel verglühender Kippen. Fassade ist der Weg zum Erfolg geworden. Ich bin ein Schauspieler auf meiner eigenen kleinen Bühne. Das spielerische Wechseln zwischen den gestaffelten Oberflächen des Bühnenbilds– große Gesten, ein Theater für deine Gedanken.

Zufriedenheit ist ein Fixpunkt geworden, ein sorgsam gepflegtes Credo. Allein zu sein inmitten bekannter Gesichter, freundliche Gespenster und– Phantome treiben die Gedanken in die Weite und entwickeln Bilder auf dem Papier aus Blattwerk, sorgsam in die gekräuselten Oberflächen der Waldseen und Straßengräben gemalt. Hier stehe ich, zu groß geworden um die Rolle des Jungen zu spielen – die Rolle meines Lebens – und zu sehr im Netz des Drehbuchs gefangen, um hinter die Fassade abzutauchen.

Da war das Mädchen mit den strohblonden Haaren, weiße Punkte auf blauem Kleid, Strohreste in den zerschlissenen Stickereien, der Atem aus Seewind und die Haut mit Salz und Sand überzogen. Es ist immer wieder die gleiche Rolle. Immer und immer wieder– mein Vertrauter, mein Gegenspieler, meine Utopie. Die perfekte Inszenierung meiner hoffnungslos verbarrikadierten Logik. Ein Sinnbild. — Vielleicht will ich tief in meinem Herzen, dass du diese Rolle spielst…? Doch nur dann, wenn die Vertrautheit groß genug ist– so groß, dass du in das Feld aus Blüten und Sträuchern gehörst. Eine echte Pflanze, die in meiner Utopie nur zertreten würde.

„Gut, dass niemand etwas mit mir zu tun haben will!“, sagte der Junge auf dem Gipfel der Dramaturgie seines inneren Monologs, „denn sollte es doch jemanden geben, sie würde verzweifeln!“

 

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