Ich bin die Partei, M*th*rf*ck*r!

2004 als ich mein erstes Blog startete, da war das Internet noch irgendwie weniger im Visier der … der Dings. (Ich lass das mal absichtlich offen.) Jedenfalls habe ich da deutlich weniger drüber nachgedacht, was ich wie schreibe, welche Wörter ich benutze oder nicht. Im Nachhinein betrachtet ist das zwar nicht immer korrekt gewesen, aber dafür direkt. Live und direkt!, wie Ferris gesagt hat. Aber Ferris spielt heute im Tatort mit (wenn auch immerhin noch den bad guy) und ich setze * anstatt Vokalen. Warum? Natürlich nicht um Wörter zu zensieren, denn unser Hirn kann * interpolieren, wenn es will (oder betrunken genug ist). Natürlich ist das eine Antidiskriminierungsmaßnahme gegenüber Sprachen ohne Vokale. Vielleicht schreibe ich demnächst in Piktogrammen?

Aber darum geht es doch eigentlich gar nicht.

Eigentlich wollte ich was Ernsthaftes zum Thema Parteiensystem in Deutschland schreiben. Warum das doof ist und so. Aber jetzt bin ich ziemlich weit abgedriftet. Trotzdem: Die Partei ist in Deutschland die Entschuldigung für Wähler, nicht mehr denken oder gleich nicht mehr wählen gehen zu müssen. Die Partei ist in Deutschland die Entschuldigung für Politiker, nicht mehr denken oder Verantwortung übernehmen zu müssen. Die Partei denkt für mich. Das ist eigentlich eine total knorke Einrichtung. Wenn es nicht das Problem gäbe, dass das Konzept der Parteien am Ende vollkommene politische Willkür ermöglicht.

Eine Partei wird nie gewählt, weil die Wähler alles töfte finden, was die Genossen/Kollegen/Ordensbrüder so propagieren, sondern weil sie ein paar grundsätzliche Thesen ganz schlüssig finden. Da aber jeder Wähler durch andere Aspekte zum Wähler einer Partei wird und somit eine Menge von Wählern auch nur begrenzte Schnittmengen in den Aspekten mit und ohne Zustimmung bilden, sagt eine Wahl einer Partei eigentlich gar nichts darüber aus, was das Volk will. CDU/Merkel? Hat uns ja irgendwie gefühlt Stabilität während der Krise gebracht. Na dann wählen wir die doch mal! Dass wir dann einer Partei die Mehrheit geben, die gegen die volle Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe ist, finden wir als Mehrheit zwar doof, ist dann aber irgendwie parteipolitischer Kollateralschaden. (CDU mal als plakatives Beispiel, geht mit ungefähr allen anderen [nicht extremistischen] Parteien genauso.)

Die Partei weiß das. Und nutzt es. Wurde etwas während der Wahl versprochen? Irgendwie egal. Will das Volk in der Mehrheit dies und das? Nö, mit uns nicht, und sie haben uns ja gewählt. Also wählen sie auch unsere Standpunkte, die nur die Minderheit bedient. So lässt sich alles schön hindrehen. Wie wäre es mit einem Bundestag ohne Parteienbindung? Einzelmitglieder, die an ihren Einzelentscheidungen gemessen werden. Wie wäre es mit einem Verbot von Koalitionen? Weg mit den Allianzen zur meinungstechnischen Starre. Wie wäre es mit direkter Demokratie? Aber bitteschön unter Berücksichtigung eines Minderheitenschutzes. Ob die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt werden soll geht nur die gleichgeschlechtlichen Paare an. Jeder, der hetero ist, sollte dazu schön die Klappe halten. Warum? Weil niemand von der Hetero-Mehrheit in irgendeiner Form davon beeinträchtigt ist, ob homosexuelle Paare heiraten (inkl. Ehegattensplitting) oder nicht. Es wählen die, die betroffen sind. Im Falle des Freihandelsabkommens also wir alle. Und nicht nur ein paar Politiker, die Angst haben, dass ihnen die Demokratie bei dem Buckeln vor den Konzernen in die Suppe spuckt.

Ich habe schon seit geraumer Zeit den roten Faden verloren. Aber um es runterzubrechen: Meinung darf nicht institutionalisiert werden! Dann hätten wir auch kein so großes Problem mit dem Populismus von AfD. Die leben doch auch vor allem von der Diskussion um politische Ausrichtung. Wer die AfD als rechts oder Nazis bezeichnet, der stimmt zwar inhaltlich mit meiner Meinung überein, hilft aber am Ende nur der AfD. Das Argument „man wird doch noch mal sagen dürfen…“ wäre überhaupt keins, wenn die deutsche Moral nicht genau darauf anspringen würde. Was auch an der Übertabuisierung liegt. Lasst Akif Pirincci doch seine Meinung. Kann sich doch jeder selbst ein Urteil drüber bilden. Und die meisten werden schnell zu dem Urteil kommen, dass seine Meinung scheiße ist. Eine Diskussion über den „Rechtsruck bei deutschen Intellektuellen“ hilft doch nur, die Auflagen ihrer Bücher hoch zu treiben. Und den Bierverkauf bei Stammtischen.

Mehr Rundumschlag kriege ich heute nicht mehr auf die Reihe. Ich ziehe ein Fazit: Parteien, Lagerbildung, Tabuisierung und Buzzword-Diskussionen (Hallo Internet!) sind Institutionalisierung von Meinung. Und Institutionalisierung von Meinung fördert das Mitläufertum. Und Mitläufer machen zwei Dinge nicht: Selbst denken und selbst Verantwortung für ihre Meinung übernehmen. Beides ist Grund für das, was wir momentan haben.

Wie viele Wochen sind es noch bis zur Europawahl…..?

.x…sjÁlfur