[ Blank Page ]

Ich kann die Beiträge kaum noch zählen, die mit dieser Überschrift als „Entwurf“, „unveröffentlicht“ oder „in Bearbeitung“ (je nach Blog-Plattform) unvollendet, verworfen oder vergessen in der Datenbank liegen. Und lagen. Ich habe – wenn ich richtig zähle – um die sieben oder acht Blogs geführt (nicht alle zeitgleich natürlich), und bei den meisten davon gab es mindestens einen „Blank Page“-Beitrag, der nicht das Licht der Öffentlichkeit gesehen hat (Hacker und Geheimdienste zählen nicht).

Warum ist das so? Was ist so schwierig an dieser Überschrift?

„Blank Page“ ist mein Codewort für etwas, über das ich oft schreibe, das aber fast immer unveröffentlicht bleibt. Dabei ist es wohl meine größte Triebfeder in allem, was ich tue. Musik, Schreiben, Arbeit, Moral, Strategie, Kontakt zu anderen Menschen. Dahinter steht eine Diagnose, die ich nicht teile. Die tiefer geht als die latente bipolare Vorbelastung, die der Herzschlag meiner Kreativität ist. Tiefer als die physischen Schranken meiner Jugend und die wenig außergewöhnliche exzessive Teenage-Angst-Phase, die in den 90ern aber auch ziemlich en vogue war.

Es ist gefährlich über diese Dinge zu schreiben, wenn man nicht anonym unterwegs ist. Dabei ist es ebenso sehr ein Spiel mit dem Feuer, eine Online-Präsenz zu analysieren. Ich bin nicht mein virtuelles Ich. Das ist eigentlich niemand. Glaub ich. Aber ich springe im Thema …

Der letzte Versuch mich der „blank page“ zu nähern, war ein langer Blogbeitrag, der so tief ins Detail ging, dass man es als therapeutisches Schreiben betrachten kann. Er existierte zu keiner Zeit in irgendeiner Online-Maske sondern nur im lokalen Texteditor. Ich hätte allein daran sehen müssen, dass eine Veröffentlichung nie infrage gekommen wäre. Habe ich aber nicht. Ich habe es verdrängt. Vielleicht weil mein Unterbewusstsein darauf hofft, dass es irgendwann an die Oberfläche kommt. Das Thema.

Das Problem ist nur: Die einzige Grundlage, warum ich ein eher durchschnittlicher, normaler Mensch bin, ist, dass ich genau diese Dinge nirgendwo öffentlich mache. Würde ich es offen schreiben, es wäre meine Ausrede für … ungefähr alles. Also halte ich es zurück und führe ein weitgehend vernünftiges Leben.

Es fällt so viel schwerer Pandoras Schatulle nicht zu öffnen, wenn man weiß, was drin steckt. Oder andersherum: Wenn man weiß, dass die Katze noch lebt, würde man die Kiste dann geschlossen lassen?

Eben.

„blank page was all the rage | never meant to say anything“ – billy corgan

 

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