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Er wohnte schon lange dort oben unterm Dach. Das hatte Vorteile. Er erklärte es dem Zimmermädchen oft. Ebenso seiner Wirtin.
Ich wohne gerne dort oben. Es hat Vorteile.
Sie hörten jedoch nicht zu. Das Zimmermädchen. Und die Wirtin. Sie konnten nicht verstehen, wie ein Gast - noch dazu einer mit Geld - dort oben am Ende des dunklen Ganges unter der Dachschräge wohnen konnte. Sie hatten ihm das Zimmer nur übergangsweise gegeben, denn kein anderes war frei… damals, als er ankam.
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“Guten Abend, ich suche nach einem freien Zimmer…”
Er stand in strömendem Regen. Sein heller, durchnässter Trenchcoat reflektierte die aufzuckenden Blitze.
“Wir haben nichts mehr frei, guter Mann.”
Er zog die Oberlippe auf einer Seite hoch und lachte resigniert.
Die Wirtin wollte die Tür schließen, doch sie hielt inne und betrachtete den jungen Mann. Er sah die Straße hinunter, lange Sekunden, als würde er noch immer darauf warten, dass sich die Tür öffnete.
“Hören Sie”, begann er schließlich und drehte ihr so ruckartig sein Gesicht zu, dass Regentropfen aus seinen Haaren stoben, “mir reicht ein Dach über dem Kopf. Eine kleine Kammer, mehr will ich nicht. In dieser ganzen Stadt gibt es kein freies Zimmer mehr.”
Die Wirtin verengte die Augen und musterte ihn. Er war nicht von hier, doch sie konnte auch kein Gepäck erkennen, mit Ausnahme einer schmalen, ledernen Aktentasche, die er bei sich trug.
“Sind Sie ein Penner?”, fragte die Wirtin direkt.
“Ein Penner?”, er schüttelte lachend den Kopf. “Ich bin gewissermaßen geschäftlich unterwegs.”
“Aha. Und ihr Gepäck?”
“Da bringt mir ein Taxi morgen. Zur Zeit dürfte es sich irgendwo über dem Atlantik befinden. Es hat den falschen Flieger genommen.”
Sie gab ihm die Dachkammer.
“Etwas zugig ist es hier.” Hastig und vollkommen überflüssigerweise klopfte sie Staub aus den schweren Vorhängen.
“So trocknet dann mein Mantel schneller”, entgegnete er und hängte den Trenchcoat über einen Stuhl. Darunter trug er einen eleganten Anzug.
“Ich werde Ihnen ein anderes Zimmer geben, sobald eines frei wird.”
Der Gast nickte zerstreut.
>> FF
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Das war vor sieben Jahren gewesen. Nun wohnte er immer noch dort oben unterm Dach. Er hatte sich im Laufe der Jahre eingerichtet. Dort oben. Neue Möbel, teure Antiquitäten, neue Lampen, neue Vorhänge. Nur das Bett war noch immer das selbe.
Zu viele Erinnerungen, wissen Sie? hatte er der Wirtin einmal erklärt und charmant gelächelt. Die Wirtin war rot geworden und hatte dann verschwörerisch gekichert. Sie musste an seine erste Nacht im Hotel denken. Die einzige Nacht in all den Jahren, nach der er nicht in seinem eigenen Bett aufgewacht war.
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“Guten Morgen, Junia, gut geschlafen, mein Kind?”
Junia war Anfang zwanzig und damit nach Ermessen der Wirtin “blutjung”. Sie wohnte zu der Zeit bereits ein Jahr im Hotel.
“Guten Morgen, Frau Sollik”, grüßte Junia zurück und zog ihren flüchtig umgebundenen Morgenmantel fester. Unschlüssig blieb sie einen Augenblick lang stehen, lächelte verlegen, dann huschte sie über den Flur zum Badezimmer am Ende des Gangs.
Die Wirtin schulterte ihren langen Staubwedel und trottete den Gang hinab in Richtung Treppe. Als sie an Junias Zimmer vorbeikam, öffnete sich erneut die Tür und der Gast, der vorübergehend in der Dachkammer wohnen sollte, trat heraus. Er trug seinen eleganten Anzug tadellos, nur die leicht derangierte Frisur deutete darauf hin, dass er in dieser Nacht geschlafen hatte.
Oder was immer er in Junias Zimmer noch getrieben hat. dachte Frau Sollik und grüßte mit einem knappen Nicken.
Er antwortete mit dem selben hintergründigen Lächeln wie am Abend zuvor draußen im Regen, dann zog er eine Zigarette hervor und ging nach draußen.
|| PAUSE