Moinsen!
Früher in der Schule. Ich komme zwar aus einem 18000 Seelenort, aber selbst dort wird an der Schule einiges gelehrt. So auch der Wert des Lebens, wenn auch in pädagogischer Rafinesse eher im Subtext und weniger in riesigen Neonbannern mit der Aufschrift: “Leben ist Heilig!” oder ähnliches. Wenn sich im Unterricht mal wieder ein fachfremder Diskussionsseitenarm um das Thema Tod etabliert hatte, weil in einer dramatischen 259 stündigen Operation die siamesischen Zwillinge X und Y getrennt werden konnten, oder die Stadtbekannte Person Z gestorben war, die keiner wirklich kannte - aber nun wo das Ganze schon mal in Dramaform thematisiert wird auf einmal doch alle zum Freund hatten, dann gab es da einen doch recht eindeutigen Unterschied zwischen mir und so gut wie alles anderen aus meiner Klasse inclusive Lehrer.
Während alle sich freuten, dass Doppeldating für XY nun nicht mehr obligatorisch war, oder Die Tragik des Verlustes von Z betrauerten und geschockt waren das der Tod auch ein verschlafenes, unschuldies 18000 Seelennest nicht verschont, wo er doch sonst nur in den Nachrichten wütet, konnte ich die Aufregung nie so richtig nachvollziehen. Alle drei Sekunden verhungert ein Mensch in Afrika und ich bin mir sicher von diesen alle-so-und-so-viel-Sekunden-passiert-das-und-das-schlimmes-Statistiken gibt es noch jede Menge weitere. Warum ist das Überleben von zwei Leuten die man nicht kennt, oder der Tod von einem den man vielleicht mal gesehen hat, aber auch nicht wirklich kennt so politisch korrekter Weise wertvolle/tragischer Aber der Tod von Millionen ebenso gesellschaftlich anerkannter Weise egal? Ich stelle diese Frage nicht wirklich, denn wer immer das hier liest wird um die Macht der Medien ebendo bescheid wissen, wie um die Dummheit der Menschen in Verbindung damit also auch den Unterschied des Leidens in der Ferne und neben einem, aber dieses Wissen half mir damals in der 9. oder 10. Klasse nicht mit Strom zu schwimmen und anzuerkennen, was meiner Meinung nach Doppelmoral war.
Als ich auf die Frage nach meiner Meinung zu dem Thema meinte, dass ich den Tod von Z zur Kenntnis nähme, er mir an sonsten emotional aber egal sei und und noch weit weniger für XY gälte, erntete ich eher Skepsis und unverständnis. Und als ich mit Afrika nachlegte nahm diese noch zu.
Später in der 11. Klasse, kurz nach 9/11 kam ein ähnlichen Thema auf bei dem Die Geschmacklosigkeit von Talibanwitzen diskutiert wurde. Wieder konnte ich das nicht verstehen, weil die gleichen Leute diese Witze für unangeracht hielten die noch kurz zuvor in Schaaren über Nazi-, Juden- und Belgierwitze gelacht hatten. Aber immer hin erntete ich diesmal sowas in der Art wie Vertändis, oder zumindest Respekt gegenüber meinem Standpunkt. Aber ich schweife ab.
Diese ganze Erklärung läuft auf unser Jüngstes Medienereignis hinaus. Der Tod von Micheal Jackson.
Ja er war ein großer Musiker… irgendwann mal. Ja er war umstritten. Von mir aus war er auch unter umständen ein Kinderschänder, aber sich wenn bei Spiegel Online 3 von 7 Nachrichten auf der Titelseite, und die hälfte der Videos um Micheal Jackson drehen, muss ich ein bisschen ein den tragischen Tod von Karl Ranseier denken. Ihr erinnert euch, unter anderem der wohl erfolgloseste Domteur, der unter anderem bei dem Versuch starb seinen Hund Fass! zu nennen? Ja ich weiß ich reagiere über, denn diese Nachrichten werden bald wieder abnehmen und auch die Onlineplattformen sollte man da nicht wirklich kritisieren, denn die Nachrichten die man lesen will stehen spätestens bei faz.de nach immer hin nur den zwei ersten Nachrichten über Micheal und auch bei Spiegel Online wenn man nur genug klickt.
Aber trotzdem regt es mich auf! Es hat mich schon damals aufgeregt als Aaliyah gestorben ist und Phantastilliaden von Amerikenern auf den Staßen mit Kerzen Trauerten. Besonders im Gedächnisgeblieben ist mir eine Oprah Winfrey änliche Gesalt die in die Kamera heulte Aaliyah sei bestimmt ein Engel gewesen, während post mortem noch mehr Lieder von ihr erschienen als von Tupac. Es ist bei diesen Fällen ein bisschen so, als würden die Medien selbst trauern. Im Fall von Micheal Jackson gibt es auch alles Grund dazu. Schießlich gibt es kaum eine Figur die mehr zum ausschlachen hergibt.
Nun ich könnte noch seeehr viel länger über dieses Thema schreiben, aber ich denke der Kern wurde deutlich. Es ist ja auch halb so wild. Und vielleicht ist diese Medienpräsens ja auch gut. Ich bin mir sicher die Iraner werden ihren Streit beilegen und erst mal den Tod dieses Menschen betrauern, Kim Jong il lässt sein Atomprogramm erst mal ruhen und die Auftragskiller in Russland machen so lange pause bis Micheal auf de eigens für Popstars angelegen Wolke 10 angekommen ist und mit Aaliyah und Tupac im Himmel weiter thrilled. Oh, mich erreicht gerade eine Eilmeldung. Okay Leute haltet euch fest, tief durchatmen, dass wird nicht einfach zu verdauen sein, aber: HEATH LEDGER IST TOD!!!!!
@Nappo: Rückmeldungsbitte hiermit erfüllt?






