[Blog-Post, Frühjahr 2006]
Ich gehe die Straße entlang zur U-Bahn und denke über Litfasssäulen und drei “s” in einem Wort hintereinander nach, über einen viel zu langen Brief, an dem ich seit drei Wochen schreibe (mit sehr langen Pausen), der mich aus der Digitalität rausreißt.
Ich gehe an stehenden Autos und fahrenden Altglascontainern vorbei, sehe dabei den treibenden Elefanten zu, die sich entlang der Tramschienen winden, nahe an der Oberfläche, Diffuswellen im streuenden Sonnenlicht, bis die Sonne kommt.
Mein Escort steht zu Hause vor der Tür, ein Auto mit vernarbter Seele, lange ist’s her… Ich werfe einen Blick auf die Benzinanzeige und entschließe Tanken zu gehen. Zwei Cheeseburger und 40 Liter von dem teuren Zeugs. Der McDrive ist auch nicht mehr das, was er mal war. Keine Cheeseburger heute, muss er wohl ökologisch fahren. Pech gehabt, ist eh Trend.
An der nächsten Station zwischen Kosmetika-Werbung und München-Stadtwetter der news-flashmob-fuckup, Paris macht Randale, Typen die heißen wie aus einem meiner Lieblingsadventures (vermutlich weil es Franzosen sind) bemühen sich um dumme Antworten, Herr Boulevard neben mir fragt, wann wird auch Deutschland auf die Barrikaden gehen, ich denke an meine Praktikumszeit im Krankenhaus und lasse mein Herz zu den Ärzten auf der Straße wandern, moderner Spartakusaufstand, nur auf Gehaltsgrundlage (dafür ohne Kreuzigungen, das ist ein Vorteil).
Zurück in meinem Auto, die Boxen aufgedreht, Post Blue stampft mich zur SAE, die Gitarre auf dem Beifahrersitz, abwartend, noch ein paar Kurven, dann wird sie freigelassen. Nach Wochen der Schnittprogramme, Samples und Effektbearbeitungen endlich wieder die Gitarre in den Händen. Ich klappere mit den Pleks in meiner Tasche und warte auf Grün, lasse den Mittleren Ring hinter mir und fühle den Wind wieder. Den Regen bei 2 kHz, das Knirschen der Lenkung und den Ausklang von Blind: “don’t go and leave me, and please don’t drive me blind”
Ich brauche meine Augen, ich muss sehen…
Der Soundtrack für den Frühling ist gefunden… zumindest für meinen.
.x…sjálfur

