“Flüster mir das Lied vom Wind.” Sie sagte es und wob Klischees zu tiefblauen Bannern, die sich durch den bedeckten Himmel zogen.
Ich stand auf dem Mauervorsprung, die Zehen in das kühle Moos gekrallt und starrte durch mein Fernrohr. In Wellen liefen Ähren, Käfer und Sekunden durch die Felder, brandeten gegen meine widerspenstigen Gedanken. Vernunft malte die apokalyptischen Reiter ans Firmament, und ihre Augen weinten Kornblumen und Azurblau.
“Flüster mir das Lied vom Wind.” Sie sagte es und wob Vergeben zu sonnengelben Gebetsbändern, die sich um das ständige Murmeln der Mantras wanden.
Ich setzte mein Fernrohr ab und drehte mich zu ihr. “Ich sehe dich nicht mehr”, stellte ich fest, “meine Augen sind in die Ferne gerichtet. Auf das was war und das was kommt.”
Sie wandte sich ab und ging zurück in die Gegenwart. “Der Mut fehlt ihr.” Das dachte ich und erkannte zu spät, dass es umgekehrt war. Ich wollte der Spur ihrer Tränen folgen, in Felder aus Kornblumen unter bedeckten Himmeln. Doch ich musste erkennen, dass ein anderer meinen Platz eingenommen hatte. Die Kornblumenfelder ufern aus, ein Gewirr aus Blau bis zu allen Horizonten. Und mir bleibt nur die Rückkehr zu meinem Fernrohr und die Gewissheit Dinge zu sehen, die immer in weiter Ferne liegen. So wie sie.
“Flüster mir das Lied vom Wind.” Sie sagte es und wob Echos zu gleißenden Erinnerungen, die im Rauschen der Ähren verblassen.
x.sjálfur

