Wenn Ausländer partout keine Ausländer sind/sein wollen.

Januar 8 2015, 2 Comments
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the dreaming engineer 3a

Im Park spricht mich ein Mann, er fragt was Remus für eine Rasse sei. Das Gespräch, welches ich 100-fach schon hatte. Aber diesmal nahm es eine Wende, die ich so nicht erwartet hatte. Nachdem ich ihm sagte, dass ich die Rasse von Remus nicht kennen würde, da er ein Straßenhund sei und eher etwas selbstgestricktes sein wird, fragte er woher ich den Hund haben würde. Als ich sagte, dass ich ihn von einer Organisation vermittelt bekommen habe, die vor allem Hunde aus Rumänien rettet, wurde sein Ton schon etwas unfreundlicher, aber auf jeden Fall belehrend. Ich hätte lieber einen Hund aus Deutschland retten sollen, wir haben hier nämlich schon genug Problemfälle. Das ist eine Diskussion, die ich auch gewohnt bin. Ich bleibe also ruhig und erkläre ihm, dass ich darüber nachgedacht habe und für mich entschieden habe, dass es mir egal ist woher ein Tier oder Mensch kommt, Hilfe haben alle verdient und ich habe dieses Mal einfach mal Remus geholfen.

Und dann passierte das, was total abgedreht war. Spätestens an dem Punkt hätte ich Remus rufen sollen und weitergehen sollen, denn der Mann musterte mich und meinte auf einmal, ob es sein könne, dass ich „nicht ganz deutsch“ sein würde. Tut mir leid, schon nur die Formulierung allein lässt bei mir das Gefühl aufkommen, dass ich vor einem Nazi in Cordhose stehe. Ich stelle mich dumm und meine, dass ich sowohl in Deutschland geboren wurde und als auch immer einen deutschen Pass hatte. Und dann druckst er rum und ich erkläre, dass ich einer Mischehe entsprungen bin. Jay, ich habe beobachtet, dass das die Leutchen ganz hibbelig macht. In diesem Fall auch. Er fängt jetzt an,  von guten und schlechten Ausländern zu sprechen. Und dass, auch wenn das jetzt nicht gegen mich persönlich gemeint ist, aber sowas wie Vermischungen kritisch beobachtet. Die Ehen würden wegen der unterschiedlichen Kulturen meistens nicht funktionieren und dann verschwindet der Vater mit den Kindern zurück ins Heimatland und die Mutter sieht die Kinder nie wieder. Und was man den Kindern erst antun würde, die nicht wissen würde was sie eigentlich seien!

Okay, ich soll also mit solchen Menschen reden, weil sie Angst vor der Überfremdung haben. Und was soll ich sagen? Ich habe auch Ängste. Eine davon ist die, dass solche Menschen so viel Macht bekommen und sie definieren können was Teil der Gesellschaft ist und was nicht. Ich will in einer Gesellschaft leben in der man friedlich  sein kann wer man sein will. In der man lieben kann wen man will, in dem man zu wem auch immer beten kann oder es eben auch bleiben lassen kann. In der Menschen einfach Menschen sind ohne Grenzen im Kopf, die einfach irgendwann mal auf Karten gezogen wurden. Ich kann diesen Mann nicht seine Meinung verbieten, will ich auch nicht, aber als er sagte, dass bei mir die Rückführung ins Heimatland problematisch sei, habe ich tatsächlich den Hund gerufen und habe mich knapp verabschiedet. Denn auch ich habe die Freiheit zu sagen, dass ich alles an seinen  Gedankengängen falsch fand. Alles!

'2 Responses to “Wenn Ausländer partout keine Ausländer sind/sein wollen.”'
  1. Nina sagt:

    Ich denke, dass deine Reaktion das Beste war, was du machen konntest. Klar hättest du dich auch groß empören und einen großen Aufstand machen können, aber damit hättest du ihm nur noch mehr Angriffsfläche geboten und Vorurteile bestätigt. Leb einfach dein Leben weiter und er soll seins weiterleben. So sieht es unser Gesetz vor.

    • aihua sagt:

      Habe mir erst vor wenigen Tagen wieder den Rat zu Herzen genommen. Frage mich allerdings ob es nicht hin und wieder gut wäre Menschen deutlich zu machen, dass sie es sich in ihrer Wohlfühlintolleranz zu schön eingerichtet haben. Freundlich die Scheuklappen runterreißen, das wäre was…

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