Hilfe ich bin ein Autor und kein Marketer. 2. Teil

Mai 26 2015, 0 Comments

Der Klappentext

Nachdem ich mich in dem ersten Teil mit dem Cover auseinander gesetzt habe, widme ich mich heute dem Klappentext. Ich kenne keinen Autor, der gerne sich dem Klappentext widmet, dabei ist es neben dem Cover häufig das erste, was man von dem Buch zu lesen bekommt. Ist man Autor bei einem Verlag, dann wird einem häufig der Klappentext abgenommen, jedoch sind auch viele Autoren nicht sonderlich zufrieden mit der Art, wie das Buch auf dem Klappentext verkauft wird.
Um einen guten Klappentext zu schreiben ist die wichtigste Grundvoraussetzung, dass man weiß, wen man anspricht. Wie auch bei der Covergestaltung geht es um die Zielgruppe. Ich weiß, langsam hört sich das an, als hätte ich einen Sprung in der Platte (für die, die jünger sind, das war mal ein Abspielmedium für Musik, steht in dem Keller eurer Eltern gleich neben der Schreibmaschine), aber die Zielgruppe ist für den Autor das A und O! Er schreibt für Leser und jedes Buch kann nicht Leser im Allgemeinen ansprechen, sondern ist für eine bestimmte Lesergruppe. Diese zu kennen und zu wissen wo man sie abholt und hinbringen muss ist unendlich wichtig für den Autor.
Wie stelle ich es also an, dass ein Klappentext mein Buch richtig und gut verkauft? Da gibt verschiedene Wege, aber da ich aus dem Marketing komme und den Klappentext auch als Marketingtool ansehe, benutze ich eine Methode, die man nicht unbedingt im Literaturstudium erlernt, nämlich das AIDA-Modell. Dabei steht AIDA für folgende Begriffe:

• Attention (Aufmerksamkeit)
• Interest (Interesse)
• Desire (Verlangen)
• Action (Handlung)

Schön, jetzt habe ich also ein paar Bulletpoints mit gewichtigen Begriffen, was hilft mir das als Autor? Ganz einfach, diese Methode soll helfen einen Text zu schreiben, der einen potenziellen Leser überzeugt das Buch zu kaufen und zu lesen. Als erstes muss ich seine Aufmerksamkeit wecken. Es gibt also gute Gründe, warum nicht nur in Klappentexte der erste Satz wie eine Explosion wirkt, einen sehr direkt anspricht und eigentlich mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Keine Sorgen, darum kümmern wir uns dann im zweiten Schritt.
Als Beispiel nehme ich meinen eigenen Klappentext (nicht, weil er besonders gelungen wäre, sondern der Einfachheit halber), aber ähnliche Vorgehensweisen könnt ihr bei vielen Klappentexten nachvollziehen.

„Am liebsten würde sie ihm das Lächeln aus dem attraktiven Gesicht schlagen, doch der Konzernerbe ist die beste Chance der Läuferin die Revolution voranzutreiben. Und dann ist da noch sein verboten gutes Aussehen, dessen Wirkung sie sich einfach nicht entziehen kann …“

Wen spreche ich damit eigentlich an? Mein Roman ist ein Mix aus verschiedenen Genres, sodass ich mir erstmal überlegen musste welche Hauptzielgruppe ich nun ansprechen will; die SciFi-Leser, die Dystopie-Fans oder eher die Leser von Liebensgeschichten. In meinem Fall denke ich, dass die Leser von Fantasyromanceromanen am ehesten angesprochen werden sollten. Auch wenn mein Setting im Sciencefiction anzusiedeln ist, ist vieles aus meinem Roman für diese Lesergruppe gewohnt und zugänglich. Meine Gewichtung liegt also auf der Liebesgeschichte und weniger auf die Revolutionshandlung.
Im zweiten Schritt, nachdem ich die Aufmerksamkeit geweckt habe, muss ich am Ball bleiben und den Leser auch Stoff geben, damit sein Interesse geweckt wird. Wir müssen ihm also etwas mehr Futter geben.

„Angel ist eine der schillerndsten Figuren in New Shanghai und die einzige Hoffnung, die der junge Senatsanwärter Chiu Wai hat. Doch die Rebellin Angel misstraut den Mitgliedern der Führungselite.“

Hier benennen wir das Kernproblem, welches in dem Buch behandelt wird. Das sollte im besten Fall das Interesse der Zielgruppe gewinnen.
Und somit können wir uns dem Desire/Verlangen widmen. Der Leser soll das Verlangen bekommen das Buch auch lesen zu wollen. Jetzt schreiben wir das, was am ehesten einer Inhaltsangabe gleichkommt.

„New Shanghai ist der Sitz der Weltregierung, die sich nach Naturkatastrophen und daraus resultierenden Weltkriegen aus einer Krisenregierung entwickelte. Die Kasten der großen Konzerne stellen die handelnde Regierung, erschaffen das Gesetz und herrschen über die Milizen. Die meisten Menschen der unteren Distrikte sind so sehr mit Überleben beschäftigt, dass sie noch nicht mal an ein Aufbegehren denken. Doch es gibt den Widerstand: Lose organisierte Läufergruppen, die gegen die Strukturen der Konzernkasten aufbegehren.“

Wenn der Inhalt den Geschmack trifft, muss der Autor nur noch den Leser etwas zur Handlung animieren. Das Finale im Klappentext sozusagen. Mit dem letzten Absatz oder Satz muss der Leser das Verlangen haben unbedingt das Buch zu kaufen und zu lesen. Darum finden sich häufig auch am Ende eines Klappentexts Fragen. Fragen, die der Leser nur beantworten kann, wenn er das Buch auch liest. So auch bei mir:

„Kann ausgerechnet das ungleiche Paar aus Rebellin und zukünftigem Senator die Welt zum Besseren verändern?“

Das ist jetzt sicherlich nicht der einzige Weg zu einem aussagekräftigen Klappentext, aber mit wenigen Punkten (nämlich vier Begriffen und ihrer Reihenfolge) hat man eine Hilfe zur Hand. Wenn man sich vorher auch noch fragt für wen man eigentlich genau diesen Text schreibt, dann ist schon viel gewonnen. Und auch wenn der Klappentext immer noch nicht meine Lieblingstextform ist, sie ist weniger schlimm.

Leave a Reply

Copyright 2012