Der Wind treibt sich herum

Dezember 22 2018, 0 Comments

Der Wind weht, es surrt und schwingt. Wie in „Schiffsmeldungen“, wenn der Wind an dem festgetakelten Haus streicht und das Haus nach seiner Freiheit schreit. Und ich lese. Bariccos „Smith & Wesson“. Smith ist gerade im Crescendo eskaliert. Und ich lege als Lesezeichen ein Lineal in das Buch. Dieses wunderschöne baumwolleingebundene Buch versehe ich mit einem Bumblebeelineal mit 3D-Effekt.



Ich besitze also ein Bumblebeelineal. Nein, ich besitze sogar zwei davon. Wenn ich wenigstens so verstört wäre und ein Fan von äußerst schlechten Filmen wäre … (wer weiß, diesmal spielt Wahlberg nicht mit und vielleicht kommt man auch mit der Hälfte der amerikanischen Flaggen aus, wer weiß …) Aber zurück zu meinem Eigentum. Ich besitze sie, weil ich um Plastik in meinem Haushalt zu reduzieren mir Getränke in Glasflaschen liefern lasse. Und mit der Kiste Malzbier kommt eine Kinozeitschrift dazu, mit Zeugs des neusten Films, der unbedingt beworben gehört. Anstatt Plastikflaschen, bekomme ich also eine in Plastik eingeschweißte Zeitung, in der zusätzlich noch Gegenstände liegen wie ein Lineal eines Filmes, den ich mir in ein paar Jahren ansehen werde, wenn es denn noch Fernsehen gibt und ich gerade zu faul bin umzuschalten. Ansonsten bin ich einfach zu alt für den Scheiß. Aber das Lineal liegt dennoch auf meinem Schreibtisch, denn es eignet sich perfekt um in meinem Notizbuch zu liegen und darauf zu warten, dass ich die Felder für meine einzelnen Tage damit einzeichne, die Rundungen sind schon da.
Maßvolle Planung, die sowieso nicht hinhaut. The story of my life.


Und warum habe ich das Lineal als Lesezeichen genutzt, warum griff ich zuvor nach dem Buch? Erst wollte ich den Gedanken vertreiben und schließlich konnte ich dennoch nicht von ihm lassen.
„Worte sind kleine, höchst präzise Apparaturen, glauben Sie mir, wenn einer sie nicht zu benutzen weiß, sollte er sie nicht benutzen“, lässt Baricco Smith sagen und ich weiß was er meint. Ich weiß, dass ich diese präzisen Apparaturen nicht im Griff habe. Und so schweige ich. Ich schweige gegenüber meiner Liebe. Ich schweige zu allem. Und dennoch denke ich den Gedanken.


Und draußen surrt etwas unter Spannung. Der Wind, der an Straßenschildern entlangstreicht. Das Haus, das frei sein will, mein Gedanke, der an mir zerrt.
Ich möchte Dir alles sein, aber ich habe Dir nicht zu bieten“, summt es.

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