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From Under Fern

Vor vielen Jahren — es dürften bald 25 sein — habe ich ein Lied geschrieben, das in meinen Zwanzigern so etwas wie mein letzter Rückzugsort war. Es war musikalisch simpel, drei Akkorde, 6/8-Takt, Dynamik und Struktur durch Sound Layering. Es setzte den Text in den Mittelpunkt.

Seit einigen Wochen überquere ich immer wieder eine Brücke. Das heißt, ich überquere sie mehrmals die Woche schon seit fünfzehn Jahren. Aber seit einigen Wochen überspannt sie nicht mehr einfach nur die Isar.

Dort unten ist der Kiesstrand, mitten in der Stadt, nicht besonders lang, kein feiner Sand, kein Meer, und die Abendsonne wird viel zu früh von den Häusern auf der anderen Uferseite geschluckt. Aber ein realer Rückzugsort, vor Arbeit, Hitze, Straßenlärm … und für die letzten Monate bis Ende Juli das letzte Refugium, das ich mit Remus aufsuchte. Die alten Beine ungelenk, der letzte Sprint, wenn er die Nähe des Flusses spürte, etwas bemühter als früher, die Schritte auf dem groben Kies unsicherer. Wir standen dann in der kühlenden Strömung, er bis zum Bauch, ich bis zur Hüfte, und nach zehn Minuten begann er wieder, durch den Fluss zu waten, nach zwanzig Minuten mussten wir raus, damit seine spärlich gewordenen Muskeln nicht zitterten. Zurück an Land war das Alter unter der Kühle verschwunden und er sprang und sprintete für einige Minuten (fast) wie früher, bevor wir beide auf dem Weg nach Hause unsere Isar-kalten Beine in der Sonne trockneten.

Er ist nicht mehr da. Ich bin immer noch an der Isar, dort unten am Kiesstrand, das Innehalten dort ist schwerer geworden. Besonders schwer ist es jedoch, wenn der Alltag mich über die Brücke trägt und ich nur einen kurzen Blick über das steinerne Geländer werfen kann. Das Leben treibt mich weiter, nicht nur über diese eine Brücke, und es lässt zurück.

Während ich das schreibe, sitze ich an einem ganz anderen Ort der Stadt. Zu früh für den nächsten Termin, zu früh für die Morgensonne. Ich schreibe und der Gedanke lässt mich nicht los — die Brücke über eine Wunde — doch die Zeit wartet nicht und mir wird kalt und ich verpasse fast die Chance, pünktlich zu sein.

Also lasse ich den Gedanken ruhen. Ich muss lernen zu vertrauen, nicht zu erklären, was die Verbindung ist. “Unter dem Farn” ist eine Vorstellung aus meiner Kindheit. Ich war mir sicher, dass in den großen Wäldern eine Welt unter dem Grün ist, in die ich eigentlich gehöre. In der meine Gedanken und Gefühle, die ich trotz vieler Worte und Ideen nie ganz kommunizieren konnte, gesehen und gehört werden, ohne dass ich sie ungelenk übersetzen muss.

“Der Tod ist groß” hat mir letztes Jahr eine Person gesagt, von der ich eine Menge kluger Gedanken gehört habe, und sie hat recht: er lässt sich nicht unter einigen Blättern Farn verstecken (auch wenn gerade Farn sich häufig Mühe gibt, den Tod sehr hübsch zu schmücken). Die Wunde ist groß und offen, und in ihr meine Welt. Ich will meinen/den Blick darauf nicht mehr verstellen, so wie das Kind, das ich war, oder der Zwanzigjährige, der aus Versehen einen Text geschrieben hat, der viel größer war, als er damals kapieren konnte.

From Under Fern

down in my world
rivers run crime
soul is growing grass
veins are pouring vines

I deny what is real
mirror’s telling me lies
and I won’t trust my eyes
’cause there is nothing to see

down in my wound
rivers run time
soul is growing old
veins are pouring rhymes

I deny what is true
wrapped up in my cocoon
hiding deep in my wound
mirror’s lying my youth

your way ends here
spider my fear
you are unseen
shuttle my dream

down in my world
between fern and fen
find comfort here
calm down again

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